KLETTERN IM ELBSANDSTEIN

->GRUNDREGELN FÜR DAS KLETTERN IN DER SÄCHSISCHEN SCHWEIZ

->IN TSCHECHIEN

->DIE ANFÄNGE DES KLETTERNS IM ELBSANDSTEINGEBIRGE

->BILDER VOM KLETTERN

GRUNDREGELN FÜR DAS KLETTERN IN DER SÄCHSISCHEN SCHWEIZ

Die sächsischen Kletterregeln sollen für einen fairen "Wettbewerb" zwischen den Kletterern sorgen, den Fels schonen und in guter deutscher Tradition einen niedergeschriebenen moralischen Rückhalt bieten. Wem es gelingt, sich dem Reglement zu unterwerfen, der kann hier höchste Kletterfreuden erleben. Wer allerdings den Regeln abschwört und sich trotzdem ins Gefels begibt, dem kann schon mal harscher Gegenwind ins Gesicht blasen, selbst wenn man im Unterholz an Mooshaufen turnt. Verfechter der Regeln und gleichzeitig eine Lobby für "gute" sächsische Kletterer ist der Sächsische Bergsteigerbund (SBB).
Das wichtigste Ergebnis der Lobbyarbeit des SBB ist der Konsens mit der Nationalparkverwaltung, welche auf Basis der sächsischen Kletterregeln das Klettern im Nationalpark überhaupt toleriert!
HIER NUN DIE WICHTIGSTEN REGELN:
-> Klettern ohne künstliche Hilfen (z.B. Steigen an Sicherungen, Seilwurf, Steighilfen, etc.)
-> KEIN KLETTERN AN NASSEM FELS! Selbst wenn dir deine Gesundheit ob deiner ach so langen Anreise egal ist, der Felsen ist bei Nässe extrem brüchig und nach dir wollen auch noch andere daran klettern!
-> Zur Sicherung werden nur die Ringe oder Schlingen genutzt.
-> Keine Verwendung chemischer Hilfsmittel.
-> Kletterwege werden ausschließlich von unten erschlossen (erstbegangen).
-> Klettermöglichkeiten und das (Wander-) Wegenetz werden von der Nationalparkverwaltung festgelegt und sollen auch eingehalten werden.
-> Bitte beachte, dass du dich in einem Nationalpark befindest!
-> Die sächsischen Kletterregeln im Detail findest du unter anderem beim SBB, auf gipfelbuch.de, oder im Kletterführer von Dietmar Heinicke, Band "Gebiet der Steine".

IN TSCHECHIEN

...wurden die Felsen am Anfang des 20. Jahrhunderts mit denen im sächsischen Gebiet erschlossen. Böhmen gehörte wie Mähren bis zum Ende des ersten Weltkrieges 1919 zu Österreich-Ungarn. Die Kultur, also auch die Sprache unterschied sich kaum von der in Sachsen. Böhmer wie Strubich und Sachsen wie Fehrmann kletterten ganz selbstverständlich auf beiden Seiten der Grenze. Bis zum zweiten Weltkrieg wurde den "Deutschen" eine Art Kulturautonomie in der neuen ČSR gewährt. Nicht wenige jedoch wussten die Gastlichkeit (allerdings ja in der eigenen Heimat) nicht zu schätzen, was in der Annexion Böhmens und Mährens 1938 durch NS-Deutschland gipfelte. Den Deutschen wurde bekanntlich der Größenwahn vom Hals geblasen und auch aus Böhmen wurden sie dann einfach vertrieben. Das Leben auf beiden Seiten der unveränderten Grenze ging auseinander. Erst viele Jahre später konnte man wieder einigermaßen problemlos ins nun ja auch befreundete Nachbarland gelangen.
Die Entwicklung des Klettersports in der Böhmischen Schweiz und in anderen böhmischen Sandsteingebieten ging wie auch in Sachsen weiter, aber eben ein bissl anders als hierzulande. Lange war VIIc der höchste Grad und auch heute wird in vielen "VIIc"-Routen eher der siebente oder gar achte UIAA-Grad verlangt. An vielen, oft auch lohnenden Massivwänden wurden Kletterwege eröffnet. Ringe waren hier bis in die achtziger Jahre anscheinend noch teurer als in Sachsen und das eben auch in "VIIc"s.
Heute benutzen viele Sportler trotz Verbotes (eindeutig vor allem für untere Schwierigkeitsgrade) Magnesia. Routen werden mit Bühler- oft aber auch mit irgendwelchen Baumarkthaken und bestimmt auch nicht mehr selten von oben gebohrt. Trotzdem und sicher auch deswegen gibt es in Tschechien viele Spitzenkletterer und das Klettern ist hier oft mehr Sport als Natur. Auch im Nationalpark Böhmische Schweiz gibt es strenge Regeln für Gäste, Einheimische und eben auch Kletterer. Im Allgemeinen stimmen sie mit denen in Sachsen überein (deutliche Ausnahme: Massivkletterei). Theoretisch ist es nur Mitgliedern der UIAA, also DAV (SBB), ČHS oder anderen, erlaubt hier zu klettern. Besser, du nimmst deinen SBB- (DAV-)Ausweis mit. Das Benehmen nach sächsischen Kletteregeln sollte doch selbstverständlich sein. Damit machst du hier auch nichts falsch.
In den Gebieten, die unmittelbar im Nationalpark liegen gibt es vom 1. März bis 30. Juni jedes Jahres Kletterverbot für die meisten Gipfel und Massive. Dies betrifft: Pravčická brána (Prebischtorgebiet), Vysoká Lípa (Hohenleipa), Soutěsky Kamenice (Kamnitzklammen), Jetřichovice (Dittersbach), Na Tokání (Balzhütte) und Kyjovské udolí (Khaatal). Siehe SPERRUNGEN!
Heute (seit Mai 2004) gehört Tschechien zur EU und tritt wohl bald auch dem Schengener Abkommen bei. Das heißt, ein Perso reicht am Grenzübergang und wird bald auch da überflüssig sein. Falls du davon noch nicht wusstes: in Tschechien kann man noch sehr preiswert leben. In Grenznähe werden meistens Euronen akzeptiert. Ich finde das aber ziemlich großkotzig und tausche vorher lieber in Kronen (Kč). Geradezu billig ist das Reisen mit öffentlichem Verkehr. Eine Bahnfahrt von Děčín nach Praha kostet deutlich unter 5€ und im Bus reichen 50Kč (≈2€) eigentlich überall hin. Das Auto irgendwo hinzustellen ist auch manchmal eine Sache für sich. Freilich ist Tschechien nicht die vielzitierte "Walachei" und wertvolle Dinge auf dem Rücksitz locken auch in Deutschland Kunden an. Aber die Schere zwischen Arm und Reich ist hier halt schon weiter offen als bei uns. Und im Wald ist kein Auto gern allein, auch nicht in Deutschland.
Alles in Allem bin ich mir sicher, dass die Böhmische Schweiz nicht weniger interessant ist als die Sächsische. Und vielleicht liegt in zehn Jahren das Nachbarland ja näher als Leipzig oder Berlin.
Für Freunde der tschechischen Sprache sei die Seite des Tschechischen Bergsteigerverbandes ČHS empfohlen. Für Unbedarfte gibt es ein schönes Online-Wörterbuch. Ein Tool zum Website übersetzen (tschechisch -> deutsch) gibt es hier: yucca.de. Danke Jenny für den Tipp.

DIE ANFÄNGE DES KLETTERNS IM ELBSANDSTEINGEBIRGE

Geklettert wird im Elbsandstein schon lange. Schon im frühen Mittelalter waren zum Beispiel Rauschenstein, Frienstein und die Neurathener Felsenburg bebaut und bewohnt. Auch die Wachposten auf dem Mönch und der Nonne bei Rathen wurden von Menschen geschaffen. Im Zuge der Erschließung und Besiedlung der dichten Wälder an der Grenze zu Böhmen wurden die Raubritternester in der hinteren Sächsischen Schweiz ausgemerzt und Siedlungen entstanden. Die Menschen betrieben Steinbrecherei an den Elbwänden oder Landwirtschaft auf den Ebenheiten und waren so mit ihrem Leben beschäftigt, dass sie sicher kaum ans Besteigen der Felszacken dachten.
Erst im 19. Jahrhundert wagten sich einige Verrückte an hohe Felsen. Sei es aus Langeweile, wie bei Abratzky 1848, oder aus Leidenschaft, wie bei Ufer oder Beck ab etwa 1870, der Klettersport im Elbsandsteingebirge nahm seinen Anfang. In den 1890er Jahren war es Oscar Schuster, der einfache Regeln formulierte, den Kletterschuh aus den Alpen einführte und nebenbei auch noch bedeutende Gipfel erstbestieg. Anfang des 20. Jahrhunderts fasste Rudolf Fehrmann Schusters und weitere Regeln zu den sächsischen Kletterregeln zusammen und veröffentlichte sie als Teil seines Kletterführers. Der Fehrmannsche Kletterführer wurde zum Maßstab und zur Vorlage für fast alle nachfolgenden Kletterführer des Elbsandsteingebirges. Neben Fehrmann gab es inzwischen viele gute Kletterer und der Klettersport wurde zur beliebten Freizeitbeschäftigung. Spätestens seit den Erstbesteigungen von Bloßstock (Wenzelweg V, Heinrich Wenzel 1899) und Kreuzturm (Alter Weg V, Hermann Sattler 1901) und wahrscheinlich bis in die 1960er Jahre wurde im Elbsandstein die schwerste Kletterei der Welt betrieben (Dietrich Hasse: Felsenheimat Elbsandsteingebirge). Viele große Namen und noch mehr kühne bis lebensmüde Taten müssen hier ungenannt bleiben. Erwähnt seien:
1864: Falkenstein - Turnerweg III, Schandauer Turner, damals mit künstlichen Hilfen
1886: Sommerwand - Alter Weg II, Carl Beck, damals mit künstlichen Hilfen
1892: Falkenstein - Schusterweg III, Oscar Schuster
1903: Lokomotive-Esse - überfall V, Albert Kunze
1906: Teufelsturm - Alter Weg VIIb, Oliver Perry-Smith
1912: Vexierturm - Weinertwand VIIb, Eduard Weinert
1918: Wilder Kopf - Westkante VIIIa, Emanuel Strubich
1920: Falkenstein - Westkante VIIIa, Otto Dietrich
1936: Teufelsturm - Talseite VIIIa, Rudolf Stolle
1936: Schrammtorwächter - Nordwand VIIIb, Willy Häntzschel
1947: Dreifingerturm - Ostrisse VIIIb, Harry Rost
1955: Höllenhund - Talweg VIIIa, Dietrich Hasse
1962: Großvaterstuhl - Neuer Talweg VIIIa, Fritz Eske
1965: Große Hunskirche - Privatweg VIIIb, Herbert Richter
1977: Großer Wehlturm - Superlative IXc, Bernd Arnold
Für eine kleine Geschichtsstunde soll das reichen.
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BILDER VOM KLETTERN

...findest du auch bei meinen großen Abenteuern.